Die Zukunft der Herrschaft liegt in der Liebe

Strategien der Liebe: Damenwahl bei den Herrentieren. So heißt eine unscheinbare Dokumentation von Felix Heidinger, die jüngst von Arte und Bayern ausgestrahlt wurde. Beim Nachforschen fand ich heraus, dass diese Dokumentation nur einen Teil der „Strategien der Liebe“-Triologie darstellt.

Worum geht es? Es geht um die Zusammenhänge zwischen Liebe, Sex, Paarung, Biologie, Genetik, Beziehungskultur, Natur, Körper, Sexualität, Fortpflanzung, Schönheit und Geschlecht. Das klingt nicht nur so als könnte es schlimm werden, nein, mit der in der Dokumentation vorherrschenden evolutionsbiologisch-ethologischen Sicht ist es sogar geradezu unerträglich.
Ein weitreichendes Geflecht aus Hetero-Sexismus, Biologismus, Lookism, Ableism, Ageism, Patriarchalität, kapitalistischer Verwertungslogik und Rassismus durchzieht die „Strategien der Liebe“. Das sollte mensch doch eigentlich genauer analysieren, aber ich wüsste gar nicht, womit ich anfangen sollte:

  • Die zweigeschlechtliche, heteronormative Ordnung?
  • Die vielen biologistischen Metaphysiken und Naturalisierungsversuche?
  • Die durch und durch männliche Sichtweise (allein schon der Titel: Damenwahl bei den Herrentieren)?
  • Das Beschwören des Backclash-Arguments von der geheimen Macht der „Frau“ (über den „Mann“)?
  • Die behauptete Universalität von Schönheitsnormen?
  • Der unreflektierte Eurozentrismus?
  • Die Einbindung des Körpers in Verwertungsstrategien und Hierarchisierungen?
  • Die ganzen binären Codes und unhaltbaren Prämissen der mehr als zweifelhaften Studien (ohne genauere Quellenangaben), die die Ausschlusslogiken erst hervorbringen?

Es ließe sich bestimmt noch viel mehr finden. Doch während ich versucht bin auf andere Orte der Analytik zu verweisen, die sich eingehender mit den einzelnen Punkten, ihren Ausprägungen und Funktionsweisen beschäftigen bzw. eine_r das nötige Handwerkzeugs geben (siehe z.B. Linkliste), finde ich gerade den Ausdruck „Strategien der Liebe“ interessant. Er bringt mich zu der Überlegung, die „Strategien der Liebe“ als „Strategien der Macht“ zu begreifen, und zwar als Ausprägungen von Biomacht, so dass die Dokumentation von Felix Heidinger auch oder gerade als anschauliches und wirkmächtiges Beispiel für die biopolitischen Strategien der Liebe gedacht werden muss, über die sich diskursive Herrschaftsverhältnisse im postmodernen Kapitalismus und seiner globalen Weltordnung immer wieder aufs Neue herstellen, fortsetzen und transformieren.