Archiv der Kategorie 'Biopolitik'

Der Stoff, aus dem die Träume gemacht sind.

Gen Mapping

Wo ist die Hauptstadt der Lesbenfraktion? Wo die Schwulenhochburg und pinker Beton? Irgend so ein Weißer hat sie gefunden, die Andere schon längst überwunden. Wo ist die Straße der Krüppel, die Knüppel ersetzt haben? Wo ist der Führungscharakter, der alle erlöst? Neue Methoden und Ergebnisse, töten andere Erlebnisse. It’s true my dear, we are murder. Aber endlich haben wir ein Gegenmittel gefunden: Einfach die Metaphysik der Substanz operieren. Oral, Aral, Anal, Pränatal, Genital. Wo ist das besetzte Haus der Blinden, dass unser aller Stadtbild-Ästhetik bedroht? Wo ist der Park der Taubstummen, indem keine Vögel mehr zwitschern? Wo sind die freien FahrerInnen, die sich Tour-Ette nennen? Wo sind die Hysterien, die keine Kinder wollen? Wo ist die hermaphroditäre Viererbeziehung mit 6 antipädagogischen Kindern und den ganzen mutierten Bezugspersonen? Wo ist der Platz der Geisteskrankheit, des Abschaums, des Wahnsinns, der Kriminalität? Wo die Küche von schlechtem Musikgeschmack, falsche Väter und falsche Mütter, wo der Gott und edle Ritter? Wo ist der Rohstoff für gesunde Kinder? Wo ist die Zelle für das Böse in der Welt? Landkarten mit Milliarden Zielen, aufgeschrieben und vertrieben, werden von mir abbestellt. Verfahren ist eine Orientierung.

Was von den „Antideutschen“ und der Israelsolidarität übrig bleibt

Vorbemerkung: Der folgende Eintrag war eigentlich als eine Kommentarantwort in meinem Judith Butler-Eintrag gedacht. Da ich es jedoch geschafft habe, beim Veröffentlichen des Kommentars den gesamten Eintrag samt Kommentaren zu sprengen und es einige Zeit dauern wird, bis das wieder behoben ist, veröffentliche ich meine Kommentarantwort nun doch als eigenständigen Eintrag – mit einigen kleinen, unwichtigen Modifikationen. Ich hatte vorher eh lange gehadert, ob ich das hier als Eintrag oder nur als Kommentar veröffentliche. Nunja, somit hat sich die Entscheidung halt erneut verschoben und es gibt doch einen eigenständigen Eintrag.

***der Yo sagte:

Zweitens habe ich eine frage bezueglich deiner aussage -> will mit den nationalistisch-völkischen “Antideutschen” nichts zu tun haben.
Ist das ein generelles Urteil von dir ueber antideutsche,
oder meinst du damit einige die in einen nationalistisch-völkischen “urwald” gerannt sind ,aus dem sie nicht mehr rausfinden?
[…]
ps:
und wie ist dieses gemeint:
betrachtet die wachsende Zahl “antideutscher” Blogs mit reaktionärer Israelsolidarität nicht mit Fröhlichkeit.
Ist Israelsolidaritaet fuer dich grundsaetzlich reaktionaer?

Das kommt darauf an, was mensch unter Israelsolidarität und ihrer „antideutschen“ Verortung versteht und welche Konsequenzen dies beinhaltet.

- Eine nationalistisch-reaktionäre Israelsolidarität und ihre „antideutsche“ Verortung, die Antizionismus (also die Kritik an jüdischem Nationalismus) mit Antisemitismus gleichsetzt und somit tatsächlich ein Diskursregime errichtet, das alle antinationalistischen Linken – und solche können eben auch jüdisch sein – als antisemitisch diffamiert, wird von mir ausdrücklich abgelehnt und kritisiert.

- Eine nationalistisch-reaktionäre Israelsolidarität und ihre „antideutsche“ Verortung, die die von der israelischen Regierung und dem Militär ausgehende Besatzungs- und Tötungspolitik rechtfertigt und befürwortet oder sie gar mit der rassistischen Homogenisierungslogik unterfüttert, die Gewaltaktionen würden im Sinne und zum Schutze „der Juden“ oder „der Israelis“ vollstreckt, der_die ist unmöglich in der Lage, den Konflikt in all seiner Komplexität zu fassen, zu analysieren und differenzierte Positionen zu entwickeln, welche endlich ein Ende der Gewalt ermöglichen.

- Eine nationalistisch-reaktionäre Israelsolidarität und ihre „antideutsche“ Verortung, die die Hinrichtung der in Israel lebenden Menschen durch den staatlich verordneten Zwangsmilitärdienst ignoriert oder befürwortet und Flüchtlinge, die für ihre Verweigerung zu Töten interniert werden, nicht mehr wahrnimmt und benennt, re-produziert Gewalt und das wird von mir als Antimilitarist_in abgelehnt.

- Eine nationalistisch-reaktionäre Israelsolidarität und ihre „antideutsche“ Verortung, die nur Kritik an der Religion des Islam übt und nicht an allen Religionen, also auch am Judentum und somit z.B. an allen(!) Zwangsbeschneidungspraxen, die vorwiegend im Kindesalter (und eben oft unter schrecklichen Hygienebedingungen) vorgenommen werden, weil der Widerstand der Beschnittenen dort am wenigsten gehört wird und am wenigsten bedrohlich für diese Gewaltpraxis ist (schließlich können sich Kinder gegen diese erwachsene Gewalt kaum erfolgreich wehren), wird von mir abgelehnt.

- Eine nationalistisch-reaktionäre Israelsolidarität und ihre „antideutsche“ Verortung, die in ihrer rassistischen Gebärde mit euro-amerika-zentrischem Blick antiarabisch und antimuslimisch argumentiert, indem sie arabische/muslimische Menschen über Kategorien wie „Kultur“ und „Religion“ homogenisiert und dieses neorassistische Konstrukt dazu verwendet, ihnen allen Antisemitismus (wahlweise auch gerne Sexismus, Rassismus und anderes) zu unterstellen, wird von mir abgelehnt. In einigen Hardcoreversionen der „antideutschen“ Theoriegebäude soll dieses rassistische Konstrukt dazu dienen, eine Rechtfertigung für die mitunter massenhafte Tötung und Kolonisierung von arabischen/muslimischen/palästinensischen Menschen anzuführen; in den Lightversionen hingegen werden arabische/muslimische/palästinensische Menschen zumindest als weniger betrauernswert angesehen als westliche/jüdische/israelische/christliche Menschen.

- Eine nationalistisch-reaktionäre Israelsolidarität und ihre „antideutsche“ Verortung, die den israelischen Staat als den Staat der Juden proklamiert und rassistisch so tut, als seien alle Israelis Juden und alle Juden Israelis bzw. meint, dass dies so sein müsse und damit einer Tötung nichtjüdischen Lebens das Wort redet, wird von mir abgelehnt. Zudem: Religiöser Fundamentalismus zeichnet sich eben unter anderem dadurch aus, dass er keine Säkularisierung will.

- Eine nationalistisch-reaktionäre Israelsolidarität und ihre „antideutsche“ Verortung, die alle jüdischen (bzw. israelischen) Menschen als Monolith der Unschuld konstruiert, wird von mir genauso abgelehnt wie das antisemitische (bzw. rassistische) Pendant, das jüdische (bzw. israelische) Menschen als Monolith der Schuld konstruiert. Beides folgt rassistischen Homogenisierungs- und Hierarchisierungslogiken und ich als Antirassist_in lehne beides vehement ab.

- Eine nationalistisch-reaktionäre Israelsolidarität und ihre „antideutsche“ Verortung, die die geschichtlich-politischen Hintergründe der US-Außenpolitik (siehe besonders Chomsky) sowie das Foucault’sche Konzept der Biopolitik nicht kennt, nicht kennen will oder verkennt, verabschiedet sich von einer kritischen Analyse und tritt ein in die Sphäre des Geschichtsrevisionismus und Staatsrassismus – und das lehne ich ab.

Was bleibt angesichts dieser Umstände von „antideutschen“ Theoriegebäuden und der so oft beschworenen Israelsolidarität noch übrig? Ziemlich wenig, weil Israelsolidarität und „antideutsche“ Argumentationen eben grundsätzlich auf nationalistische, völkische, rassistische, reaktionäre Standpunkte hinauslaufen, ob sie wollen oder nicht. Die Frage muss also lauten, welche Israelsolidarität und welche „antideutschen“ Positionen denn nicht in diesen – wie du sagst – „Urwald“ rennen? Ich kenne keine Israelsolidarität und keine „antideutschen“ Argumentationen, die dies bisher nicht irgendwie getan hätten, obgleich einige tiefer in diesem Urwald stecken als andere, was aber an ihrer Umgebung nichts ändert, weil sie sich nun mal alle in diesem Urwald aufhalten; ein Urwald, in dem sie sich letztlich mit einer Palästinasolidarität wieder treffen, die sich ebenso nationalistisch, völkisch, rassistisch und reaktionär gebärden kann.

Fazit:
Eine nationalistisch-reaktionäre Israelsolidarität und ihre „antideutsche“ Verortung ist überhaupt nicht in der Lage ihre Bestrebung vom Schutz der Juden einzulösen, weil sie nicht unterscheiden kann zwischen jüdischer Identität, jüdischer Religion, israelischem Staat, israelischer Bevölkerung und dem individuellen Denken und Handeln einzelner Personen, sondern diese ausgesprochenen Heterogenitäten zu einer Einheit verschmelzt und ihre immanenten Widersprüche einem rassistischen Diskurs unterwirft.

***der Yo sagte:

wieso setzt du antideutsch in anfuehrungszeichen?

Ganz einfach: Weil ich tatsächlich antideutsch und somit antinationalistisch bin und jeden Nationalismus und jede Staatlichkeit sowie den ihr innewohnenden Rassismus kritisiere und mir den israelischen Staat nicht als leuchtende Ausnahme halluziniere. Deswegen gibt es einen Unterschied zwischen antinationalistischem Antideutschsein und nationalistischem „Antideutschsein“, was gar nicht so antideutsch ist wie es mitunter von sich behaupten möchte, da es eben rassistische Homogenisierungs- und Hierarchisierungslogiken verwendet und mit staatsrassistischen Diskursen zusammenarbeitet wie dies auch der deutschnationalistische Rassismus tut. Eine Unterscheidung in antideutsch und „antideutsch“ ist zudem dringend nötig, weil leider die nationalistische Besetzung des Begriffes antideutsch sich mittlerweile fest in den linken Diskursen eingeschrieben hat und nicht mehr einfach wegzudenken oder zu vernachlässigen ist.

„Ist es wirklich Liebe? – Scheinehen im Visier“: Spiegel TV Extra und der staatsrassistische Diskurs

Es ist nichts Neues, wenn deutsche Medien den biopolitischen Rassismus vorantreiben und gegen so genannte „AusländerInnen“, „illegale Aufenthalte“ und „Scheinehen“ wettern um Menschen ihre Lebensexistenz abzusprechen. Ein weiteres Beispiel liefert diesmal die Fernsehsendung Spiegel TV Extra in ihrer Ausgabe vom 7. November 2006, und zwar hier.

Zudem ist es nicht uninteressant, wie sich bei der ganzen Sache eine Art souveräne Definitionsmacht herstellt, die darüber entscheidet, was Liebe ist und was nicht; wo sie beginnt und wo sie aufhört. Aber „echte deutsche Ehen“ gelten generell als „wahres“ Liebesverhältnis, auch wenn sich die Familienzusammenhänge gegenseitig unterdrücken, schlagen, vergewaltigen, umbringen und in Abhängigkeitsverhältnisse gezwungen werden. Diese obliegen selbstverständlich dem biopolitischen Schutz und werden im staatsrassistischen Diskurs gar nicht erst erwähnt. Schließlich würden sie die massenmedialen Bilder von Fernsehsendungen wie Spiegel TV Extra stören, welche die „AusländerIn“ als zu vernichtende Bedrohung des Gesellschaftskörpers zeichnen.