Archiv der Kategorie 'TheaterSimulation'

Wollt ihr die totale Verwertung? (Applaus für:)

ErfolgReich leben: Die Gesetze der Macht

  • Geh ins Fitnessstudio. Leistung macht frei. Noch bessere Chancen hast du, wenn du zusätzlich Pillen zum Aufbau deiner Muskeln, Knochen und sonstiger Peripherie deines Körpers schluckst. Damit kurbelt du die Wirtschaft an und zeigst loyale, unterwürfige Einsatzbereitschaft gegenüber deinen Arbeitgebern.
  • Nötiges Krafttraining erzeugt oft Schweiß und gefährdet deine soziale Akzeptanz. Benutze Deos um das Schwitzen zu vermeiden und verwende Parfums um natürlich(!) zu riechen. Das kurbelt die Wirtschaft an und hinterlässt einen guten Eindruck.
  • Wenn andere zu dir sagen, du seist eine Frau, schminke dich und betone dein Äußeres! Das bringt der Wirtschaft einen Aufschwung und signalisiert Einsatzbereitschaft.
  • Wenn du keine oder nur eine geringe Oberweite besitzt, solltest du in Erwägung ziehen dich einer Brustvergrößerung zu unterziehen. Das kurbelt die Wirtschaft an und verschafft dir mehr Chancen.
  • Wenn deine Oberweite zu groß ist, solltest du ebenfalls einen operativen Eingriff vornehmen lassen, weil zu viel Oberweite deine Bewegungsfähigkeit einschränkt und den flexiblen Arbeitsprozess gefährdet. Zudem bringt das die Wirtschaft in Schwung und nutzt selbstverständlich auch dir.
  • Denke immer daran: Erscheine als Mann oder Frau! Nicht eindeutig zu erkennendes, geschlechtliches Äußeres ist Tabu und schadet deinen Chancen, verärgert deine Mitmenschen, gefährdet die Familienstruktur und produziert soziales Elend sowie Armut, was wiederum der Wirtschaft schadet und dich in einem schlechten Licht erscheinen lässt.
  • Sei immer du selbst.
  • Lächle immer und überall, sei freundlich. Miese Laune schadet deiner Gesundheit, treibt die Gesundheitskosten unnötig in die Höhe, behindert deine Karriere und zersetzt die Wirtschaft!
  • Wenn man sagt, du seist ein Mann, musst du dich auch schminken, nur achte dann darauf, dass niemand bemerkt, dass du geschminkt bist. Entsprechende Technologien sind in Apotheken und bei Medizinern zu erwerben. Das kurbelt die Wirtschaft an, sollte aber gegenüber deinen Mitmenschen verschwiegen werden.
  • Ziehe dich sauber und gescheit an. Kaufe dir am besten einen Anzug, aber bitte keinen billigen Schrott, das hinterlässt einen schlechten Eindruck und ist dem fortschreitenden Wirtschaftswachstum nicht dienlich.
  • Sexuelle Übergriffe und Mobbing solltest du ganz alleine überwinden können und dem standhalten. Es schadet deinem Image sich beim Chef auszuheulen und spricht gegen dein Durchsetzungsvermögen, deine Selbstständigkeit und deine Führungsqualitäten.
  • Insbesondere, wenn du im Bereich der Kommunikation, Medien, Nachrichten und dem Journalismus tätig werden möchtest bzw. bist, solltest du Cellagon aurum, Cellagon vitale plus und Cellagon felice konsumieren. Dies erhält und steigert deine Leistungsfähigkeit, macht dich schön, spricht für dein soziales Bewusstsein und wird im Zuge des Öko-Audit positiv bewertet, was wiederum für dein Image einen Gewinn darstellt und zu größerem Wirtschaftswachstum beiträgt. Nimm dir einfach ein Beispiel an dem vorbildhaften Fernsehsender N24.
  • Wir wünschen dir viel Ervolk.

Anti-Lookism: Für die Etablierung einer Politik des verletzlichen Körpers

Selbstdarstellung mit körperlicher Beeinträchtigung, das inszenierte Zur-Schau-Stellen seiner selbst mit Mal der Scham, kann eine Strategie zur Überwindung des Konformitätsdrucks sein, der diese Scham konstruiert hat, und sie kann eine Strategie sein, einen voyeuristischen – also einen ohne Peinlichkeitsempfindung auf jemandes Scham gerichteten – Blick durch Provokation zurückzuspiegeln.

Ist solche Strategie nun Überwindung von Konventionsgrenzen oder gerade ihre Bestätigung ex negativo? – Möglicherweise ist sie eine Strategie im Zwischenraum: eine Herausforderung zur Überwindung von etwas, das man auch selbst noch nicht hinter sich gelassen hat.

Die in unserem Projekt involvierten Künstler bestreiten jedoch, Absicht auf diese Art von Provokation zu haben. In der Tat ist diese Provokation in der Spätmoderne als ästhetisches Programm uninteressant geworden, und in der Mediengesellschaft läuft sie als politische Strategie ins Leere: „Provokation ist was für Dumme”, pflegte Christoph Schlingensief während der Aktion Deutschlandsuche (1999) zu sagen. „Was ich will, ist Selbstprovokation”. Für die Partei Chance 2000 entwarf er eine Theorie, die auch für die hier anvisierten ästhetischen Interventionen in Stigmatisierungsprozesse Erklärungswert hat:

Die Öffentlichkeit ist besetzt von Gewerkschaften, Kirchen, Medien und Parteien, die eine Realität eigener Art, fern der Wirklichkeit schaffen, kurz: dem System 1; alles, was wirklich ist, die wirklichen Menschen, zum Beispiel die Arbeitslosen oder die Behinderten oder du und ich, das System 2 also, kommen in ihr nicht vor. Die Frage ist nun: Wie können sie wieder sichtbar werden, ohne dass das System 1 sie schluckt?

Wie kann, so könnte man auch fragen, die menschliche Wirklichkeit hervortreten, welche entlang der Achse normal-stigmatisiert charakteristische Kommunikationsverschiebungen und Wahrnehmungsverzerrungen erfährt? Wie kann die Wirklichkeit des verletzlichen Körpers sichtbar werden, ohne aufgrund der extremen Dichotomisierung des Bildrepertoires sofort auf die irreführenden Schienen entweder der Idealisierung in Richtung Perfektion oder der Abjektifizierung in Richtung Versehrtheit verschoben zu werden?

aus: Benjamin Marius Schmidt und Gesa Ziemer: Verletzbare Orte. Zur Ästhetik anderer Körper auf der Bühne

Dies ist nur eine klitzekleine Stelle aus der sehr lesenswerten Publikation von Schmidt und Ziemer, die mit ihrem Bühnenprojekt „Verletzbare Orte“ (1,9 MB, PDF) einen meiner Meinung nach sehr guten Ansatz für eine Körperpolitik zeichnen, den ich hier auf keinen Fall unerwähnt lassen möchte, da er das gewisse Potenzial besitzt, den heutigen gewalt- und herrschaftsförmigen Diskurs der Körper auf eine grundlegende Weise zu hinterfragen. So eröffnet sich einer_/m eben seine entlarvte Unhaltbarkeit in der Bestrebung nach einem weitestgehend gewaltfreien Zusammenleben.

„Verletzbare Orte“ stellt zudem einige der dringend nötigen Fragen, die zukünftig eine immer größere Rolle in einer Diskussion um widerständige Praxen und gesellschaftliche Veränderung spielen werden und gar müssen, wenn mensch in der unaufhörlichen Weiterentwicklung der Ideen nicht stehen bleiben und zum zeitlich überkommenen Konservatismus werden möchte, der nicht in der Lage ist, sich seiner eigenen Gewaltförmigkeit und der Verantwortung dafür bewusst zu werden.

Wem die 50 Seiten nicht genug sind und so wie ich Lust auf noch wesentlich mehr hat, dem sei die ganze, dazugehörige Dissertation Gesa Ziemers ans Herz gelegt, die mit einem ähnlichen Titel und glatt 200 Seiten mehr aufwartet: „Verletzbare Orte. Entwurf einer praktischen Ästhetik“ (3,1 MB, PDF)
Und ja, ich habe die Dissertation noch nicht gelesen, habe aber trotzdem keine Bedenken sie zu empfehlen, da ich allein beim groben Überfliegen diverse Freudenausbrüche hatte. Ich hoffe, dass ich zukünftig damit nicht alleine bleibe.

Iterabilität der Götzendämmerung

Aus dem Pesthauch der letzten Atemzüge einer aufkommenden Philosophie des Wahnsinns:

Das falsche Pseudonym des Nietzsche

Der hier von mir an die Wand der geschichtlichen Unleserlichkeit gemalte postmoderne Nietzscheanismus ist vor allem erstmal nichts. In diesem Sinne soll er einer werden. Am Ende steht der Anfang einer humoristischen Parodie des Großen und ihrer Erzählungen, der Geschichte und der Wirklichkeiten; mit dem „Tod des Autors“ muss auch Nietzsche Abschied von sich nehmen. Für wahr: Nietzsche ist nicht mehr. Er wird nur noch, wenn er denn überhaupt wird. Aber eigentlich wird doch wieder alles anders.

Was Nietzsche und was der andere sagt, ist nun nicht mehr eindeutig zu entziffern. Nietzsche mischt sich hier mit Nicht-Nietzsche gegen Nietzsche zwecks Mutation des Textes: einen echten genetischen Code hatte er sowieso nie. Die Gebärde großer Philosophie will festgehalten werden. Ab und an kommt es deswegen vor, dass sie erdrückt wird und erstickt. Auch wenn die Normalität dem (bisher) vehement widerspricht, so sollten Gedanken auch verunglücken und ein Glück der Verunglückung hervorbringen dürfen.

Die angenommene Gebärde eines Nietzsche, deren Wiederholung schon vorher scheitert: ein lustvolles Schauspiel, ähnlichkommend einem Theaterstück, dessen Skript abhanden gekommen ist; die Schauspieler improvisieren, denn es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig – das wird das Pseudonym des Nietzsche sein.

Die Niederkunft des ewig Gleichen

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Die erste Geschlechterdämmerung: Ich bin nicht Schwanz genug um ein Mann zu sein.

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Die zweite Geschlechterdämmerung: Das Weib ist vor allem eins: es ist nicht. Im Zuge dieser geschichtlichen Erkenntnis müssen wir uns wohl alle mit den Peitschenhieben herumschlagen.

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Die dritte Geschlechterdämmerung: Bist du echt? Oder nur ein Schauspieler deines Geschlechts? Ein Vertreter eines Geschlechts? Oder das Vertretene Geschlecht selbst? – Zuletzt bist du gar bloß ein nachgemachtes Geschlecht.

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Ich habe Zweifel an aller menschlichen Schönheit und Hässlichkeit. Wenn die Schönheit und die Hässlichkeit eine von Menschen gemachte ist, so könnte es möglich sein dieser Tätigkeit nicht mehr nachzugehen und ihre Forschung zu beenden. Die Hässlichkeit des Lebens wird es danken.

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Meist ist die Voraussetzung von Geschenken die Freude – doch wer fragt, ob der Entstehungsprozess des Geschenkes ein freudiger war?

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Der Gläubige hat immer eine Ausrede für die unglaublichen Schrecklichkeiten parat, die er selbst erzeugt: den Glauben.

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Der Christ Martin Luther: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“
Meine Antwort: „Ich kann nicht, also stehe ich anders“, sprach der Antichrist.

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Wie? Ist der Mensch nur ein Fehlgriff Gottes? Oder Gott nur ein Fehlgriff des Menschen?

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Das Spenden wurde von Reichen erfunden um ihr Gewissen zu beruhigen.

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‚Anonymität durch Freude‘ ist ein kapitalistischer Leid-satz.

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Die Angst vorm beleibten Menschen ist, dass er die wissenschaftliche Einheit des Körpers zum Überlaufen bringt, aber im wesentlichen, dass er die Wissenschaft zum davonlaufen bringt.

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„Der Kleingeist hält Ordnung, das Genie überblickt das Chaos“ – Der Mensch wäre gerne ein Genie , doch sobald das Chaos ins Spiel kommt, will man mit dem Genie nichts mehr zu tun haben.

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Man kann das Chaos nicht überblicken, man kann es nur durchdringen.

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Wer mit der Sprache zündelt kann ganze Weltbrände entfachen.

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Der nachmoderne Mensch wird viel über die Vernichtung des Lebens nachdenken.

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Am Anfang aller Möglichkeiten stehen Unmöglichkeiten.

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Posthume Menschen – ich zum Beispiel – werden schlechter verstanden als zeitgemäße, aber besser gehört. Strenger: wir werden nie verstanden – und daher unsere Autorität.

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Ab und an müssen wir um zu leben Missgeburten gebähren.

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Der Körper wird ein wichtiger Kriegsschauplatz des 21. Jahrhunderts (sein). Wer über ihn Bescheid weiß, wird sein Operateur und form(ier)ender Chirurg ohne das Skalpell der scharfen Klinge walten zu lassen; vielmehr wird das Messer der Herstellung von eindeutigen Kategorien und Verwaltbarem vorherrschen und sich einen wilden Kampf mit den schwerer beherrschbaren Teilen des Lebens liefern. Für wahr: ein sehr produktiver Kampf, dessen Opfer am Ende die sein könnten, die bisher für sich in Anspruch nehmen, das Leben vor dem Un(ge)leb(t)en zu schützen, vor dem Ungehorsam, den die Hörigen so verteufeln.

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Wir sollten Informationen nicht nur daraufhin untersuchen, was sie uns sagt, sondern vor allem auch, was sie uns nicht sagt.

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Der nachmoderne Mensch sucht sich seine Krankheiten – zumindest einen Teil – selbst aus und spricht der Medizin zunehmend das Monopol der Selbst-Bestimmung ab.
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Nach der Umwertung aller Werte können wir die Werte werten, wie wir wollen – das schließt das Nicht-werten mit ein. Ob und wie wir den Wert des Nicht-Wertens anwenden (können), wurde hierbei bisher wenig in Augenschein genommen. Ebenso sollte der vielfältige Mensch sich von der Idee lösen, nur einen Weg des (Nicht-)Wertens zu beschreiten und die Widersprüchlichkeiten in seine Auseinandersetzungen mit ein beziehen. Das Werten und die Wertigkeiten besitzen keine gerade Linie im Hergang der geschichtlichen Existenz.

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Was interessiert mich meine Abstammung! – Diese ist ein verachtenswertes Gut unserer Historie mit dem Gehalt der Entsorgung.

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Ich habe mir eine Vergiftung an der Wissenschaft geholt, als sie versuchte, mir von gleichen Menschen zu erzählen.

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Die Furcht alles Göttlichen ist, dass man den Glaube an es verliert. Gerade deswegen unternimmt das Göttliche so einiges um den Glauben auf seine Seite zu ziehen.

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Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu legen weiß, der legt wenigstens einen Sinn noch hinein, das heißt, er glaubt, dass ein Wille bereits darin sei – das Prinzip des „Glaubens“.

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Muss ich mich denn mit jedem sich als Volk, als völkische Einheit Verstehenden verstehen? – Jedes Volk ist eine Untat.

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Ich misstraue allen Systematikern und gehe ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit.

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Der getretene Wurm krümmt sich. So ist es klug. Er verringert damit die Wahrscheinlichkeit, von Neuem getreten zu werden. In der Sprache der Moral: Demut.

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Als die Könige von Führung sprachen, waren nicht sie es, die anführten, sondern die geführt wurden.

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Die einzige Blutschande ist, sich so schändlich in das Blut der Abstammung zu tränken.

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Wie steht es mit jenen Konventionen der Sprache? Sind sie vielleicht Erzeugnisse der Erkenntniss, des Wahrheitssinnes: Decken sich die Bezeichnungen und die Dinge? Ist die Sprache der adäquate Ausdruck aller Realitäten?

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Aus Lehm und Knochenresten Geborene sollen um Gottes willen rein sein wo der Dreck der Erde doch ihre Herkunft ist?

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Was ist schon Ehrlichkeit in einer künstlichen Welt?

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Wir teilen die Dinge nach Geschlechtern ein, wir bezeichnen den Baum als männlich, die Pflanze als weiblich: welche willkürlichen Übertragungen!

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In der Perfektion steckt keine Bewegung. Sie ist erdrückend und nie will ich mich so stillen.

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Es ist eine Selbstverständlichkeit um eine Sache zu vertiefen ein Studium zu beginnen. Doch ich sympathisiere mit dem teuflischem Gedanken dies nicht auf der Grundlage der göttlichen Institutionen zu tun. Ihre Wahrheiten enden in der Einfältigkeit.

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Du läufst voran? – Tust du das als Hirt oder als Ausnahme? Ein dritter Fall wäre der Entlaufene … Erste Gewissensfrage.

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Bist du echt? Oder nur ein Schauspieler? Ein Vertreter? Oder das Vertretene selbst? – Zuletzt bist du gar bloß ein nachgemachter Schauspieler … Zweite Gewissensfrage.

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Bist du einer, der zusieht oder der Hand anlegt? – Oder der wegsieht, bei Seite geht? … Dritte Gewissensfrage.

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Willst du mitgehn oder vorangehn? Oder für dich gehn? … Man muss wissen, was man will und dass man will. Vierte Gewissensfrage.

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Die R.einheit von Geschlecht ist ein gutgetarnter Scherz.

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Als die Lehren des heiligen Vaters langweilig wurden, begannen die Gläubiger Feuer zu entfachen.

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So viel schlimmer als die Schule kann ein Gefängnis nicht sein.

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Die Liebe zu Einem ist eine Barbarei: denn sie wird auf Unkosten aller Übrigen ausgeübt. Auch die Liebe zu Gott.

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Die kategorischen Imperative unserer Zeit sind Versprechen, deren Erfüllung im jenseits des Daseins angelegt sind. Deswegen, nun widme ich mich den Versprechen, deren Bruch sich unverhüllt mit dem Versprechen ankündigt. Bleibt zu hoffen, dass sich wenigstens der Bruch hält.

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„Wir sind oberflächlich, dagegen lässt sich leider nichts tun.“ Schade nur, dass der Mensch alles tut, um oberflächlich zu sein.

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Was hasst du denn an der Anarchie? Nichts, sprach Zarathustra, bisher nur wenig.

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Es rät sich, Sprüche windelweich zu klopfen.

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Wenn es darauf ankommt, lässt es sich ausmachen, das alle Lehren ohne Sinn sind. Der Mensch, an ihm liegt es, dieses großartige Dilemma zu feiern.

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Etwas von einer Person im herkömmlichen Sinne zu halten oder nicht ist ein zuwideres Unterfangen: als ob diese Haltung auch nur annähernd ausreichend genug wäre.

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Selbst der allerschlimmste Christ kann niemals bibeltreu sein. Glücklicherweise hat die Bibel, das heißt Der Mensch vorgesorgt und das Leben an und für sich, die daseinde Existenz zur Sünde erklärt. Ein gutes wie ein schlechtes Leben kann demnach nur ein sündhaftes sein.

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Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr nicht an meinem Kranze rupfen?

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Ihr verehrt mich: aber wie, wenn eure Verehrung eines Tages umfällt? Hütet euch, dass euch nicht eine Bildsäule erschlage!

[Mit freundlicher BildOkkupation von: http://www.maerzwerke.de]

Die Antikriegspolitik des Körpers

Mit Fettsucht gegen den Krieg: Dr.(in) Adipositas Permagna oder:
Wie ich lernte, die Krankheit zu lieben

(Originaltitel: Dr. Adipositas Permagna or:
How I Learned to Stop Sliming and Love the Illness)

Gestern Morgen wollte mich der Staat zu einem Mörder machen. Das KWEA (formely known as Kommandozentrale für Waffengewalt, Elendsproduktion und Ausrottung) lud mich zum 2. Mal zur Musterung, nachdem ich das 1. Mal aufgrund terminlicher Unzulänglichkeiten beruflicher (Lebens-)Art nicht erscheinen konnte. Vorm KWEA angekommen, mit mich zerreißender Todesangst erfüllt, sollte wohl einer der schlimmsten Tage in meinem Leben anbrechen, welcher jedoch am Ende von mir mit einer selten dagewesenen Rekordzeit von nur einer Stunde und fünfzehn Minuten – nicht souverän – beendet wurde.

Nicht souverän? Ich hab schlecht gehört, missverstanden, gestottert, genuschelt, kaputt ausgesehen, ungepflegt, unrasiert, ungewaschen, durch und durch übermüdet, doofe Rückfragen gestellt, mehrmals die gleichen doofen Rückfragen gestellt, mich verlaufen, Türklinken nicht gefunden, aus Unfähigkeit falsche Antworten gegeben, mich von der Gauleiterärztin beleidigen lassen… und anfangs die Eingangstür nicht gefunden; alles mit der Kraft der totalen Übermüdung und in dem Wissen, dass das musternde Auge der Wehrmacht allgegenwärtig ist.

Dennoch: Ich fühlte mich ziemlich alleine und verloren. Ich hätte am liebsten geweint, tat es aber nicht. (Ich gegen die Disziplinierungsmacht: 0 : 1) Der Maschine gefällt das: Ein Mann kennt keinen Schmerz. Eine gepanzerte Kampfmaschine kennt keine Angst. Ich will aber kein Mann sein und bin auch kein Mann, schon gar kein echter. (Ich gegen die hetero-normative Zweigeschlechtlichkeit: 2 : 0) Was wäre wohl passiert, wenn ich kein Glück gehabt hätte?

„…Dann machst du halt Zivi, ist doch nicht schlimm…“

Von wegen. Kriegsdienst ohne Waffe ist auch ein Kriegsdienst – und dieser beinhaltet immer schon die Komponente der Gewalt. Nur die Form der Ausübung verändert sich. Zudem wurde kürzlich das Gesetz modifiziert und besagt seitdem, dass alles, was nicht ausgemustert ist, bis zum 60. Lebensjahr in den Krieg geschickt werden kann. Mit und ohne Waffe.

Dabei braucht der Großteil der SchlächterInnen von heute gar keine Waffen mehr, wenn sie bspw. die Minen räumen, verwundete SoldatInnen verarzten oder Karten planen, die als Vorlage zur Vernichtung des Lebens dienen. Sie ritzen das Blut in die Landschaft ohne auch nur einen einzigen Abzug angefasst zu haben. Was von ihnen bleibt, sind die Effekte und Wirkungen der Macht, die den Krieg erst existieren lassen und existent machen. Demzufolge ist die ideologische Unterstützung und Akzeptanz des Krieges in unserer heutigen, westlichen Gesellschaft seine mächtigste Waffe. Mensch denke nur an die gewaltigen Anstrengungen seitens der Medien einen Krieg zu machen, die Vorstellung des Tötens zu etablieren, Alltäglichkeit werden zu lassen. Egal, ob nun Irakkrieg, Afghanistankrieg, Kosovokrieg oder der totale Krieg des Faschismus: Existent wird, was vorstellbar ist.
Soviel zur (Zukunfts-)Perspektive der sozialen, militaristischen Hilfskomponente des Kriegsdienstes ohne Waffe.

Bundeswehr abschaffen: Die WehrkraftzersetzerInnen von Morgen sind die Krankheit von Heute

The Subversion Of Fat

Während manche Stolz nur in affirmativ-nationalen Zusammenhängen und Konstruktionen denken können, war ich selten so stolz ein ausgewiesener Parasit der Volksgesundheit zu sein wie nach der Musterung: meinen Wanst ständig ins Fadenkreuz der Biopolitik haltend und halten müssend. Eine andere Art der Fahnenflucht.

Somit erscheine ich als eine wankende, lebensbejahende Krankheit, die in der Medizin existenziell nicht sein darf und gerade deswegen (lebensbejahend) ist. Wankend, weil ständig der Gefahr ausgesetzt (ontologisch) eliminiert zu werden und (im Sein) lebensbejahend, weil unfähig zur Ausübung des Todes, des Tötens. Ein Frieden der Untauglichkeit.

Ich glaube, hier entsteht eine Möglichkeit des Widerstandes, die bisher nicht so richtig entdeckt, ausgenutzt und gelebt wurde. Totalverweigerung, Desertion bekommt hier eine neue, eine weitere Bedeutung: Der Körper, der bei der Musterung auf seine Kriegsverwendbarkeit untersucht wird, gerät zu einer Gefahr für die Existenz des Krieges. Er ist nicht mehr kriegsverwendbar und flüchtet vor dem Leistungsprinzip der Gesundheit. Unfähig, die verfolgten (wirtschaftlichen) Interessen zu erreichen und sich der Befehlsgewalt zu unterwerfen. Unfähig, sich militärisch (fort-)zu bewegen, seine militärischen Ziele zu treffen und zu kämpfen. Der angestrebte, idealisierte Körper der Kampfmaschine bleibt zurück als kriegerisch unverwertbare Deformation. Seine krankhafte Unfähigkeit bzw. seine Fähigkeit zur Krankheit werden allen kriegerischen Bestrebungen zum Verhängnis.
Das ist der Raum, indem sich ein neues (Selbst-)Verständnis entfalten kann. Eine andere Lesart des Friedens, welchem mensch zukünftig mehr Gewicht geben sollte.

Ich möchte mich abschließend bei der Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär für überlebensnotwendige Informationen und kreativen Widerstand bedanken.

Infos: http://www.kampagne.de/

Join „The Wave“!?


Juli ist in meinen Ohren Marschmusik:

„Das ist die perfekte Welle

Das ist der perfekte Tag

lass dich einfach von ihr tragen,

denk am besten gar nicht nach

Das ist die perfekte Welle

Das ist der perfekte Tag

Es gibt mehr als du weißt

Es gibt mehr als du sagst“

Band: Juli; aus dem Album: Es ist Juli

Die Welle des Morton Rhue

Mein Beitrag zur deutschen Musikquote. Deutsche hört nur bei Deutschen.

Das Abschneiden des Kopfes des Freiherrn von Knigge zum Nachdenken

Dialog:

Rob: „Kannst du nicht grüßen?“

Oter: „Wieso wollen sie, dass ich sie grüße?“

Rob: „Weil sich das so gehört!“

Oter: „Hätten sie Hitler damals auch gegrüßt?“